Côte d'Ivoire Digital.

 

Côte d'Ivoire und seine Wirtschaftmetropole Abidjan sind der Sitz zahlreicher Startups und Unternehmen im Digitalbereich. 80 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 40 Jahre alt, technikaffin und Smartphones sind weit verbreitet: beste Voraussetzungen für digitale Geschäftsmodelle.

 

 

 

 

Digitalisierung in Afrika: Die weißen Flecken auf der digitalen Weltkarte lichten sich (Christopher Hahn)

 

(Quelle: FOCUS online, erschienen am 15. März 2016, Link zum Originalartikel: focus.de)

 

 

Weltweit erhalten mehr und mehr Menschen Zugang zur Technik, die die Welt verändert – mit all ihren Herausforderungen. Der Bericht der Weltbank zur Digitalisierung belegt: Die Welt wird zunehmend vernetzter. Das gilt auch für Afrika.

Im Jahre 2001 waren dreiviertel der Internetnutzer in Industrieländern zuhause - heute stammen zwei der drei Milliarden User aus Schwellenländern. Laut des Berichts der Weltbank verfügen sogar mehr Menschen über ein Mobiltelefon als über einen Trinkwasserzugang. Diese globale Entwicklung trifft ebenfalls auf Afrika zu. Mobiles Internet und moderne Technologie verändern die Landwirtschaft, Medizin, Bildung, Finanzen, Energie und Politik.

 

M-Pesa setzt in Afrika einen Standard

Mobile Payment Systeme, wie etwa das kenianische „M-Pesa“, ermöglichen es den Menschen auch ohne Zugang zu Banken für Dienstleistungen und Güter zu bezahlen. Das System fungiert dabei quasi als Kreditkarte: Ein M-Pesa-Kunde transferiert Geld als Bezahlung auf das Konto eines anderen M-Pesa Nutzers. Dieses Guthaben kann von sog. Agents ausgezahlt werden – wobei es sich bei diesen um Supermärkte, Kioske und ähnliches handelt. Diese verfügen bereits über eine Infrastruktur und sind fast überall vorhanden. Banken werden überflüssig.

 

Start-Ups schießen aus dem Boden

Wo die nötigen Ressourcen oder Strukturen fehlen, werden dank kreativer Lösungen neue Wege eingeschlagen – so entwickelt sich eine lebendige Start-Up-Szene in Afrika. Die Big Player haben den afrikanischen Kontinent wegen der schlechten Infrastruktur bisher gemieden – so findet sich beispielweise kein Standort von Amazon  in Afrika. Dies führt vor allem zu hausgemachten Anbietern – in diesem Falle der Internetversandhandel „Jumia“ aus Nigeria. Diese Erfolgsgeschichte zeigt, dass mit Hilfe ausländischer Investoren, hier der Berliner Internet-Inkubator Rocket Internet , großes Potenzial vorhanden ist, um die lokalen Märkte zu erschließen.

 

Auch Afrika hat Silicon Valleys

Sicher ist jedoch, dass es auch in den afrikanischen Silicon Valleys in der Elfenbeinküste, Uganda oder Kenia Eintagsfliegen und Unicorns unter den Jungunternehmern gibt. Doch dürfen wir nicht unsere westlichen Maßstäbe anlegen, um Erfolgsprognosen oder Investitionspotenzial vorhersagen zu wollen.

Der Kontinent hat seine eigenen Spielregeln und benötigt mehr Zeit, um passende Rahmenbedingungen für Unternehmer, Investoren und Märkte zu schaffen. Dass es unheimliches Investitionspotential gibt, deutet auch die deutsche Regierung an: Deutschland will laut Staatssekretär Thomas Silberhorn vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)  im Jahre 2016 rund 53 Millionen Euro in afrikanische Informations- und Kommunikationstechnikvorhaben investieren. Dazu steht im Vergleich das Jahr 2015 mit einem Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro – das macht ein Plus von mehr als 2500 Prozent.

 

Entwicklung aus eigener Kraft

Das Internet entwickelt sich ständig und vor allem durch eigene Fortschritte weiter. Wir stoßen auf Probleme, die von Usern auf der ganzen Welt, auch gemeinsam, gelöst werden. Ein interessantes Unternehmen ist das britische Start-up „What3words“: Eine Website und App, die, basierend auf systematisch vergebenen Geocodes, jedem Menschen theoretisch eine Adresse zuweist. So können gerade Menschen im kongolesischen Dschungel oder sudanesischen Hinterland eine postalische Adresse bekommen, die dann aus drei Wörtern besteht und genau diesem Punkt zugeteilt wurde. Somit lassen sich, dank dem Erfindergeist von Internetunternehmern Probleme der Infrastruktur lösen.

 

Social Media ist längst kein Fremdwort mehr

Doch was wäre das Internet, so wie wir es kennen, ohne Social Media? Natürlich dürfen auch diverse Social-Media-Plattformen im täglichen Leben Afrikas nicht fehlen: Facebook hat mit 120 Millionen Nutzern die Nase vorne, wobei 80 Prozent der Nutzer vor allem mobil auf ihre Accounts zugreifen. Das sind zwar nur etwas mehr als 10 Prozent der Gesamtbevölkerung, aber zeigt auch die immensen Wachstumschancen. Als Beispiel kann man hier auch Ägypten anführen. 33 Prozent mehr Facebook-Accounts als noch im Januar 2014 mit Tendenz nach oben. Auch sind die Nutzer zu zweidrittel zwischen 18 und 34 Jahren alt.

 

Zu den Risiken der Digitalisierung zählen in Afrika, wie überall sonst auch Cybersicherheit, Datenmissbrauch und Hackerangriffe sowie vereinzelt Probleme, die man hier in Europa heutzutage selten oder gar nicht mehr kennt: Schlechte Netzanbindung oder Stromausfälle können den Zugang zum Internet erschweren.

 

Es gibt auch Probleme: hohe Analphabetenrate, fehlende Finanzierungen

Auch die Analphabetenrate ist recht hoch: 41 Prozent der afrikanischen Bevölkerung, die älter als 15 Jahre ist, können nicht richtig lesen und schreiben. So bleibt ihnen der Zugang zum Internet, dem Wissen der Welt, verwehrt.

Das wohl größte Problem sind Liquidität und Finanzierungslücken: Ideen gibt es genug, aber kein Geld oder steuerliche Erleichterungen für Internetunternehmer. So kann beispielsweise nicht immer gewährt sein, dass abseits der Ballungszentren Bargeld oder Bankautomaten zur Verfügung stehen.

 

Letztendlich ist Afrika auf dem besten Wege, sich digital weiterzuentwickeln. Dafür wird vor allem mehr Vertrauen aus den Industrienationen benötigt, in die Ideen, die diesen Kontinent vorantreiben. So werden die großen weißen Flecken der digitalen Weltkarte in Afrika immer weniger und verschwinden in der Zukunft. Was wir dann sehen werden, ist ein lebendiger, reger Markt, der mit seinen Innovationen auch die Industrienationen bereichern wird.

 

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Startups in Afrika: Wie Firmengründer einen Kontinent verändern (Christopher Hahn)

 

(Quelle: FOCUS online, erschienen am 2. April 2015, Link zum Originalartikel: focus.de)

 

Afrika ist im Wandel. Ob Elfenbeinküste oder Ghana, Nigeria oder Kenia: überall auf dem Kontinent kommen Startups und Gründer in Coworking-Spaces oder bei einschlägigen Events zusammen, um sich über die digitale Zukunft ihres Erdteils auszutauschen.

 

  • Startups sind eine Chance für mehr Wohlstand auf dem gesamten Kontinent

  • In Afrika werden ganze Dienstleistungszweige neu erfunden

 

Politische Instabilität und Krisen: Kein Kontinent ist in der allgemeinen Wahrnehmung so von (mehr oder weniger berechtigten) Stereotypen, dominiert wie Afrika. Dass dieses Bild aber nicht für den ganzen Kontinent gilt, zeigt die stetig wachsende Zahl afrikanischer Startups, die etwa in Abidjan, Accra oder Nairobi dabei sind, Teil eines Startup-Ökosystems zu werden beziehungsweise ein solches mit aufzubauen. Der persönliche Austausch der Gründer untereinander ist dabei meist noch intensiver als in anderen globalen Startup-Zentren. Auch wenn dieses Miteinander oft dem Mangel an Start- und Risikokapital geschuldet ist: für Innovation und Kreativität hat dies durchaus seine Vorteile.

 

Technische Entwicklungen werden im Afrika 2.0 oft einfach übersprungen (“Leapfrogging“). So wird z.B. gleich auf Handys und Anwendungen wie Mobile Payment und Mobile Commerce gesetzt, anstelle z.B. Zeit und Mühen in den (ohnehin nur rudimentär vorhandenen) Festnetzausbau zu investieren. Der rasante Anstieg der Smartphonenutzung trägt seinen Teil dazu bei: Afrika hat die mit Abstand größte Wachstumsrate an Mobilfunknutzern, allein in den nächsten 5 Jahren soll eine weitere halbe Milliarde an Kunden hinzukommen.

 

Neuerfindung von ganzen Dienstleistungszweigen

Da Bankkonten auf dem gesamten Kontinent Mangelware sind, öffnet die bei den meisten bislang nicht verfügbare Möglichkeit, Geld sicher und zu erschwinglichen Kosten zu übertragen beziehungsweise zu erhalten, nunmehr riesige Chancen. Die auch bei uns zum Megatrend ausgerufene Finanztechnologie („FinTech“) wird in Afrika daher weniger bestehende Dienstleistungen ersetzen, sondern eher ganze Dienstleistungszweige neu erfinden.

Checkliste zur Steuererklärung

 

Für junge Unternehmen und ganze Wirtschaftszweige bedeutet die immer größere werdende Verfügbarkeit mobilen Internets plötzlich den Zugang zu Millionen potenzieller, bislang –allein schon aufgrund der schieren Größe des Kontinents- fast unerreichbarer Kunden. Dies wird auch dazu führen, dass die digitale Innovation letztlich den dringend benötigten Auf- und Ausbau von Infrastruktur und Logistik maßgeblich beflügeln wird.

 

Trotz der in Afrika vielerorts auch weiter vorhandenen Probleme wie Armut und Hunger, Korruption oder zivile Unruhen, die einige afrikanische Länder ganz besonders treffen, gibt die Zukunft allen Grund zu Zuversicht: Laut einer Studie der Weltbank befinden sich 11 der 20 am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt in Afrika.  Afrika ist darüber hinaus ein junger Kontinent, dessen Bevölkerung bis zum Jahr 2040 fast ein Viertel der gesamten Weltbevölkerung ausmachen wird.

 

Chance für einen ganzen Kontinent

Und dennoch: Gründer brauchen ein Umfeld, von dem sie überzeugt ist, dass sich ihre Aktivitäten lohnen und auch Bestand für die Zukunft haben. Hierzu gehören Rechtssicherheit und ein Minimum an Investorenschutz ebenso wie der Zugang zu Krediten und Kapital.Aufgrund der Größe und Vielfalt in Afrika ist es fast unmöglich, pauschale Aussagen über die Zukunft des Kontinents zu treffen. Afrikas Startups haben aber noch mehr als in anderen Kontinenten die Chance, nicht nur neue Trends zu schaffen, sondern für steigenden Wohlstand auf dem gesamten Kontinent zu sorgen.